Zum Klimaaufruf

Ob man an die Erderwärmung glaubt, spielt keine Rolle. Es geht um Tatsachen. Millionen von Menschen werden an den Folgen der Erderwärmung sterben oder ihre Heimat verlassen. Waldbrände und Überschwemmungen werden schlimmer werden und Katastrophen sich auch in Europa häufen.
Teile Indiens, Afrikas und Lateinamerikas werden innerhalb der nächsten Jahrzehnte unbewohnbar werden.
Zehntausende von Forschern und Wissenschaftlerinnen sehen für Deutschland ein zunehmendes Risiko extremer Wetterereignisse und die Notwendigkeit, Maßnahmen in der Klimaanpassung umgehend zu verstärken.
In einem eindringlichen Klimaaufruf wandten sich die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) unter Vorsitz von Professor Dr. Klaus Richter von der Universität Regensburg und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) im September 2025 an Politik und Öffentlichkeit – mit der Aufforderung zu handeln. Die Fachgesellschaften der Biologie (VBIO), Chemie (GDCh), Geowissenschaften (DVGeo) und Mathematik (DMV) haben sich dem Aufruf angeschlossen.
Wer allerdings (gesellschafts-)politische Diskussionen und Umfragen zu Wahltrends verfolgt, stellt fest, dass Klimawandel und Erderwärmung nicht selten als unbewiesen oder gar als linker, grüner Unfug abgetan werden. Regensburgs Scientists for Future e. V. organisierten vor diesem Hintergrund in den „Räumen der Begegnung“ am 15. Januar 2025 eine Podiumsdiskussion zum Klimaaufruf. „Der Konsens in der Wissenschaft, über die vom Menschen verursachte, globale Erwärmung", so die Scientists, "liegt bei 100%.“
Die Botschaft: Wir alle, nicht zuletzt die Politik, sollen die Sachlage ernst(er) nehmen. Was sich in Sachen Wetter beobachten und messen lässt, wird in Kombination mit den momentanen weltpolitischen Rahmenbedingungen noch gefährlicher. Die 3-Grad-Grenze könnte schon um 2050 überschritten werden.
Was will der Klimaaufruf?
„Das Ziel unseres Statements ist ein Weckruf an die Politik, aber insbesondere auch ein Aufruf zu beherztem Handeln“, sagte Klaus Richter, Mitautor des Klimaaufrufs, Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Physik an der UR.
Einen vergleichbaren Aufruf gab es zuletzt 1987. Damals in Referenz zu Forschungsergebnissen von 1971: Bereits damals hatte die Wissenschaft - noch ohne Supercomputer und KI – errechnet, prognostiziert, dass die Erde sich bis 2040 um zwei Grad erwärmt. Alles stimmte.
S4F-Diskussion in Regensburg
Neben Richter diskutieren Professor Dr. Georg Stephan Barfuß (Leiter des Referates für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen der Stadt Regensburg), die Mathematikerin Sophia Schäfer, PhD, Klimamodelliererin bei Météo France und Professor Dr.-Ing. Michael Sterner (Professor für Energiespeicher und Erneuerbare Energien, OTH Regensburg). Die Physikerin Christine Rüth moderiert die Veranstaltung. Dr. Norwin von Malm stellt den Klimaaufruf zu Beginn der Veranstaltung vor.
Etwa 180 Menschen sitzen im Raum. Die Medienpräsenz ist gering. Ziemlich schnell wird deutlich, dass im Publikum viele derer sind, die selbst in Gesellschaft und Teilhabe unermüdlich daran erinnern, dass es um Naturgesetze, nicht Meinungen geht. Mitglieder von Non-Profit- und Nicht-Regierungs-Organisationen, kommunalpolitisch Ambitionierte, einige Studierende, mit Nachhaltigkeit Beschäftigte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen, Großeltern, Eltern. Alle Altersgruppen sind präsent, wesentlich mehr Männer als Frauen.
Deutlich wird das ehrliche und unermüdliche Engagement vieler Anwesender. Die individuelle Möglichkeiten ausschöpfen, also wann immer möglich mit der Bahn fahren, zu Fuß gehen, das Fahrrad nutzen, mit Strom und Umweltwärme heizen, regional essen. Aber es reicht nicht.
Manche sind sicher, dass der Staat das Klima schützende Maßnahmen gesetzlich verankern und juristisch durchsetzen muss. Andere glauben fest an Anreize. Ein wenig Wahlkampf mischt sich in die Diskussion; auf dem Podium wird’s zwischendurch ein wenig polemisch. Schuld am ganzen Elend sind aus Sicht eines Diskutanten einmal mehr die Artenschützer, die Bauvorhaben verzögerten. Wirklich? Der Generation Z raten zwei Babyboomer, sich im Rahmen der Verfassung politisch zu engagieren, die Kärrnerarbeit selbst auf sich zu nehmen und ihre Ideen durchs System zu fechten.
Solche Bekundungen spiegeln aber auch den Frust, die Hilflosigkeit. In Erinnerung bleiben deutliche Mahnungen und ernste Warnungen: „Wir bewegen uns mit nur drei Grad Erwärmung aus unserem heutigen Stand der Zivilisation heraus.“
Europa, so wird deutlich, erwärmt sich sogar schneller als das globale Mittel – mit Folgen für Gesundheit und Sterblichkeit. Überall werden Ernten schlechter werden, die Trinkwasserversorgung ist gefährdet, die Temperaturen werden vielerorts in der Welt tödlich.
FAZIT: Wer handeln kann, sollte daran denken: Mit jedem Zehntelgrad an Erwärmung wird die Lage kritischer.
Umkehren lässt sich nichts.
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