Wie gesund ist eine pflanzenbasierte Ernährung?

Hinter dem Begriff COPLANT (COhort on PLANT-based diets) verbirgt sich die bisher größte Studie zur pflanzenbasierten Ernährung im deutschsprachigen Raum – ein Projekt des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), des Max Rubner-Instituts (MRI), des Instituts für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE) und der Universitäten Jena, Bonn, Heidelberg, Regensburg und Wien. Für das Thema Nachhaltigkeit ist das Thünen-Institut eingebunden. Unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).
Seit 2024 untersucht der Forschungsverbund deutschlandweit rund 6.000 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren.
Dr. Beate Fischer, Leiterin des Studienzentrums am Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg hat unsere Fragen zur Studie beantwortet.
Frau Dr. Fischer, was genau ist das Ziel der COPLANT-Studie?
Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu den Vor- und Nachteilen pflanzenbasierter Ernährungsformen zu gewinnen. Es wird beispielsweise untersucht, welche Vitamine und Mineralstoffe ausreichend aufgenommen werden und welche zu kurz kommen. Was passiert im Stoffwechsel, wenn vollständig auf tierische Lebensmittel verzichtet wird? Wie wirken sich die einzelnen Ernährungsweisen auf die Körperzusammensetzung und die Knochengesundheit aus? Unterscheiden sich die pflanzenbasierten Ernährungsweisen von einer Mischkost hinsichtlich der Aufnahme von Kontaminanten, Rückständen oder anderen unerwünschten Substanzen? Außerdem möchten wir herausfinden, mit welchen ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen die Ernährungsweisen verbunden und wie nachhaltig diese insgesamt sind.
Die Teilnehmende der Studie sollen vier Tage lang alles protokollieren, was sie essen. Wie genau lässt sich auf diesem Wege das Essverhalten dokumentieren? Gibt es Studien, die das untersucht haben?
In der COPLANT Studie verwenden wir die Smartphone-basierte NutriDiary App, um die Protokollierung für die Teilnehmenden möglichst einfach zu gestalten. Wiegeprotokolle sind in der Ernährungsepidemiologie der Goldstandard, d.h. die Messmethode mit der höchsten Genauigkeit. Zusätzlich kommt ein neu entwickelter Fragebogen zu Verzehrshäufigkeiten, der insbesondere auch die Erfassung pflanzenbasierter Ernährungsweisen ermöglicht, zum Einsatz.
Die Benutzerfreundlichkeit der App wurde von den Bonner Kollegen und Kolleginnen untersucht und publiziert. Hier die entsprechende Studie: DOI: 10.2196/62776.
Welche medizinischen Untersuchungen sind Teil der Studie? Was genau wird erfasst?
- Bestimmung der Körperzusammensetzung über bioelektrische Impedanzanalyse (BIA)
- Messung von Körpergröße und des -gewichts sowie Taillen- und Hüftumfang
- Ermittlung der Knochendichte bzw. -gesundheit mittels Ultraschall (Broadband Ultrasound Attenuation, kurz BUA)
- Blutdruck und Herzfrequenz
- Messung der körperlichen Aktivität über sieben Tage mithilfe eines Akzelerometers
- Handgreifkraft
- Laborbasisdaten (Nüchtern-Blut, 24-Stunden-Urin-Sammlung, Stuhlprobe)
Kommt beim Zusammenführen und Auswerten der zahlreichen Daten KI zum Einsatz?
Ja, beispielsweise ist die Erfassung der Nahrungsergänzungspräparate, die Teilnehmende konsumieren, sehr aufwendig. Der Markt und die angebotenen Produkte verändern sich ständig. Das Untersuchungspersonal erfasst folglich die Nährstoffzusammensetzung anhand der Angaben auf den Verpackungen der Präparate. Zukünftig sollen diese Informationen mittels optischer Texterkennung (OCR) aus Fotoaufnahmen der Verpackungen ausgelesen und verarbeitet werden.
Auch bei der Interpretation der Akzelerometerdaten soll KI zum Einsatz kommen. Ein Akzelerometer ist ein Sensor, der die Beschleunigung eines Menschen in verschiedenen Ebenen misst. Mithilfe von Machine Learning Methoden sollen aus den dabei generierten Kurven spezifische Aktivitäten zugeordnet werden.
Wie wird sichergestellt, dass die Daten der Teilnehmenden trotzdem geschützt sind?
Die Daten unterliegen in allen Phasen der Studie dem Datenschutz und werden vertraulich behandelt. In der Studie erfolgt eine getrennte Speicherung der personenbezogenen Daten (Name und Adresse) und der Daten, die bei den Befragungen und Untersuchungen erhoben werden. Die personenbezogenen Daten werden in einem besonders geschützten Bereich des IT-Netzes des Universitätsklinikums Regensburg gespeichert. Die während der Befragungen und Untersuchungen erhobenen Daten werden nicht mit Namen und Adresse gespeichert, sondern sind mit einer Nummer kodiert (sogenannte Pseudonymisierung). Zugang zu den Personendaten haben ausschließlich ausgewählte Mitarbeiterinnen des Studienzentrums. Die wissenschaftlichen Analysen werden ausnahmslos mit den pseudonymisierten Daten durchgeführt. Für jede Auswertung werden neue Pseudonyme verwendet.
Welche Vorteile haben Teilnehmende?
Die Teilnehmenden erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 €. Zusätzlich dürfen die Teilnehmenden die Küchenwaage zum Führen der Ernährungsprotokolle behalten. Wenn gewünscht, erhalten die Teilnehmenden nach der Untersuchung die Ergebnisse zu ausgewählten Untersuchungen und Blutwerten schriftlich und verständlich mitgeteilt. So können Sie wertvolle Information zu Ihrer gesundheitlichen Situation bekommen. Zum Beispiel durch die Messung der Handgreifkraft: Wie stark kann jemand mit den Händen zu greifen? Die Handkraft gibt Auskunft über den Zustand der Muskelkraft und das physische Leistungsvermögen. Durch die Untersuchung der Körperzusammensetzung kann man Aussagen dazu treffen, wie hoch der Muskel- bzw. Fettanteil ist und mittels Ultraschall an der Ferse etwas über die Knochengesundheit erfahren. Es wird ein großes Blutbild erstellt und der Blutzucker sowie Blutfette gemessen.
Wann kann man mit ersten Ergebnissen rechnen?
Bis Ende 2027 werden neue Studienteilnehmende in die Studie aufgenommen und untersucht. Direkt anschließend beginnen die ersten Auswertungen der Daten.
Wer an der Studie teilnehmen möchte kann sich an folgende Adresse wenden:
Studienzentrum am Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin
Universitätsklinikum Regensburg
Franz-Josef-Strauß-Allee 11
93053 Regensburg
Telefon: 0941/944 5240
Fax: 0941/944 5202
E-Mail: coplant
@
ur.de
Comments
No Comments