Eigentlich ist Professor Dr. Volker Busch Psychiater und Neurologe. Seine Fachgebiete sind Schmerz, Emotionen, Stress. Zwischenzeitlich trifft man ihn nur noch an zwei Tagen der Woche im Hörsaal, denn sein Publikum hat sich beträchtlich vergrößert. Busch füllt große Auditorien, hält jährlich 120 Vorträge, betreibt den höchst erfolgreichen Podcast “Gehirn gehört” und führt Buch-Bestsellerlisten an. 

Bei „Spotlight on Teaching“ des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsdidaktik der Universität Regensburg, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, verrät er die Geheimnisse seines Erfolgs als Wissenschaftskommunikator.

Langfristige Strategie, harte Arbeit

Buschs Prominenz, erzählt er Professorenschaft und Studierenden, sei das „Ergebnis einer langfristigen Strategie und harter Arbeit“. 2015 hat der Wissenschaftler sich aus persönlichen Gründen neu aufgestellt und folgte dem, was er dem Publikum dringend anrät: sich auf die eigenen Werte, die die Richtung vorgeben, besinnen, und seine Ziele klar definieren. 

Diese beiden Momente gehörten nicht in den gleichen Topf. „Glücklich werden Menschen nur“, sagt Busch, „wenn sie die richtige Richtung einschlagen“.  Es raunt ein wenig im Publikum, aber Busch fährt fort, wie wir ihn aus seinen Podcasts und von Auftritten in Fernsehen und Radio kennen – unbeirrt und bestens gelaunt.

Die Konkurrenz schläft nie

Wer mit Wissenschaftskommunikation gutes Geld verdienen will, der muss hoher Konkurrenz trotzen. Mit einem „Vollbekenntnis“ die entsprechende Richtung einschlagen. Busch erzählt von seinem Vollbekenntnis. Er verabschiedete sich vom ursprünglichen Ziel der Klinikkarriere zu einem Zeitpunkt, als ihn von der Spitze nicht mehr viel trennte. In der Kollegenschaft sorgte das für immense Irritation. Verstanden hat man ihn wohl nicht. Busch blieb trotzdem konsequent.
Neue Herausforderungen fand er zur Genüge. Wer Wissenschaft kommunizieren will, sagt Busch, muss sich viererlei bewusstwerden:

  • Informationen sind kein Herrschaftswissen mehr – sie sind heute überall verfügbar;
  • Vereinfachung funktioniert nur bis zu einem gewissen Punkt;
  • die Abhängigkeit von (sozialen) Medien ist groß und wächst;
  • aus Followern werden Fans – und das erfordert Beziehungsarbeit.

Busch wandert durchs Publikum, hat die Lachenden auf seiner Seite, wenn er darauf verweist, dass die Menschen nichts so stolz macht, wie das, was sie vor fünf Minuten gelernt haben. Er verweist auf die mindestens 84 Millionen Expertinnen und Experten in der Republik, die sich zu allem äußern können, von longevity  bis Kriegen. Er erinnert an die Algorithmen, die uns permanent durchschauen und unser Verhalten im Netz dirigieren, ohne dass wir es merken. Busch berichtet, er habe entschieden, sie nicht so sehr zu beachten. Langfristig sind sie aber oft doch erfolgreich. Den Menschen fehle einfach zunehmend die Geduld, vermutet der Mediziner.

Der Kommunikator im digitalen Kosmos

Manchem widersteht der Kommunikator im digitalen Kosmos besonders konsequent. Etwa persönlich Werbung zu machen, etwa für Vitamin-D-Produkte, weil die so gut sind für die Nerven. Nicht so einfach, nur Forschungsergebnisse weiterzutragen, seufzt er mit breitem Grinsen, 5000 Euro mehr oder weniger im Monat sind eine beträchtliche Summe, müsste man nur die Müslieriegel vorstellen, die bei den geneigten Hörerinnen und Hörern Mangelerscheinungen verhindern sollen. Er lehne trotzdem ab. 

„Wissenschaftskommunikation darf nicht käuflich sein“, sagt Busch. Sie kostet aber irgendwann auch Geld. Ein professioneller Podcast, der in die Top-20 will, brauche ein Team. Allein geht es an der Spitze der Wissenschaftskommunikation nicht mehr. 

Ist man an dem Punkt angelangt, dass es sich als content creator gut lebt, werde es auf anderer Ebene kritisch. „Wenn Sie nicht mehr als Experte, sondern als Mensch gesehen werden – das ist gefährlich“. Dann wollen die zu Fans gewordenen Follower mehr über die Familie wissen, ob man Hund oder Katze zuhause habe, was man von dem Deep-Fake-Skandal um Colleen Fernandez halte. Wer seriöse Wissenschaftskommunikation betreiben wolle, der dürfe sich in dieser Rolle nicht dazu zwingen lassen, „über etwas zu sprechen, wovon Sie keine Ahnung haben“. Fatal, werde man als Mensch befragt, nicht als Experte: „Ich muss Wissenschaftler Daten und Fakten liefern und nicht politische Themen bearbeiten.“

Ein trojanisches Pferd

Denen, die so erfolgreich werden wollen wie er, empfiehlt Busch ihre eigene Sprache zu finden und sich ein trojanisches Pferd zuzulegen, über das man die Hörerschaft kapert. Sein Trojaner?  „Humor.“ Als Rheinländer falle ihm das nicht allzu schwer, sagt Busch, auch mit dieser Anmerkung für gute Laune sorgend. 

Ein weiterer Rat: „Seien Sie präzise.“ „Das Ungefähre“, sagt Busch, der durchs Publikum wandert und eine Kollegin begrüßt „regt mich auf“.  KI ist für ihn aus genau diesem Grund kein Thema, „wir behandeln ein digitales Kleinkind wie einen Erwachsenen“. Nur noch 27 % der Deutschen prüften ihre KI-Ergebnisse: „Da ist etwas verrutscht.“ Deswegen liest Busch weiterhin wissenschaftliche Paper und verordnet sich in seinen Podcasts absolute Seriosität.

„Bleiben Sie unabhängig, bewahren Sie Rückgrat, übernehmen Sie Verantwortung!“ appelliert Volker Busch am Ende seines Vortrags. Dabei kommt er noch einmal auf die Geduld zu sprechen. Das Vertrauen einer Community zu gewinnen, brauche Zeit. Auch das der journalistischen. Busch hat sie. Er bekommt regelmäßig Anfragen von seriösen, großen Medien. Die recherchieren in der Regel nämlich auch sorgfältig.

Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe „Spotlight on Teaching“, der am 10. Juni 2026 stattfand. Weitere Programmpunkte waren die Verleihung des Lehrinnovationspreises der Universität Regensburg sowie ein Posterwalk mit innovativen Lehrprojekten der Universität Regensburg.

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